Lohndumping unter Palmen

Der Botanische Garten Berlin ist der größte seiner Art in Deutschland. Im Jahr zieht er ca. eine halbe Million Besucher an, Tendenz steigend. Doch die vordergründige Idylle des Habitats für ca. 22.000 Pflanzenarten trügt: Für die Beschäftigten herrscht eine gnadenlose Zweiklassengesellschaft. Durch Ausgründung einer Betriebsgesellschaft wurden die Löhne zwischen Alt- und Neubeschäftigten derart gespreizt, dass die Kolleginnen und Kollegen der Betriebsgesellschaft mittlerweile bereits Lohnerhöhungen von bis zu 72% erhalten müssten, um so viel zu verdienen wie die direkt im Botanischen Garten angestellten Beschäftigten. Und das für ein und dieselbe Arbeit!

Verursacht wurde dies durch eine falsch verstandene Sparpolitik: Drastische Kürzungen der Landesmittel wurden seit Jahren von der Freien Universität an den Botanischen Garten und seine Beschäftigten weiter gegeben. 18 offene Stellen sorgen dafür, dass den Gärtnerinnen und Gärtnern die Arbeit buchstäblich über den Kopf wächst. Lediglich die obere Führungsebene wurde aufgestockt. Die FU leistet sich für die 70 Kolleginnen und Kollegen der Betriebsgesellschaft, eine 100-prozentige Tochter der FU, vier Geschäftsführer. Da die FU den alten Tarifvertrag gekündigt hat, herrscht seit dem 1. Januar 2013 zudem ein tarifloser Zustand.

Doch damit nicht genug: Bei 28 Beschäftigten der Betriebsgesellschaft hielt sich die Leitung außerdem nicht an die im Rahmentarifvertrag vereinbarten Überstundenzuschläge, ordnete aber gleichzeitig bis zu 25 Überstunden pro Person im Monat an. Die Freie Universität vertritt die Meinung, wer seine Rechte aus dem Rahmentarifvertrag durchsetzen möchte, muss individuell klagen.

Nach Jahren des Lohndumpings haben sich die Beschäftigten der Betriebsgesellschaft nun organisiert und streben gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di Tarifverhandlungen und bessere Arbeitsbedingungen an. Dabei kämpft die Arbeitgeberseite mit Methoden, die nach Auffassung der „Berliner Aktion gegen Arbeitgeberunrecht“ bereits eine Form von „union busting“ darstellen: In Reaktion auf die Organisierung der Kolleginnen und Kollegen wurde die komplette Schließung des Bereichs Reinigung in die Wege geleitet. Von dieser Schließung sind zwei Betriebsräte und ein Tarifkommissionsmitglied direkt betroffen.

Die Beschäftigten fordern daher die Einhaltung des geltenden Rahmentarifvertrags und der Betriebsvereinbarungen, einen fairen Tarifabschluss und gleiche Lohn für gleiche Arbeit.

1 Kommentar zu "Lohndumping unter Palmen"

  1. Gut gemacht. Bringt es auf den Punkt.

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