Erpressung des Betriebsrates und massive Einschüchterung der Beschäftigten – Geschäftsführung greift zu skandalösen Mitteln

Bild: tovovan/123RF Lizenzfreie Bilder, alhovik/123RF Lizenzfreie Bilder, teploleta/123RF Lizenzfreie Bilder

Eine neue Eskalationsstufe – verursacht durch die Geschäftsführung – im schon lange nicht mehr idyllischen Garten ist erreicht. Gestern Abend um 18:30 Uhr hat die Geschäftsführung alle nach Dienstplan arbeitenden Beschäftigten (21 von cirka 50) ab dem 1.4.2016 unter Fortzahlung der Bezüge freigestellt mit der Begründung, dass der Betriebsrat dem Dienstplan nicht zugestimmt hat. Der Betriebsrat befindet sich in laufenden Interessenaushandlungen mit der Geschäftsführung wegen der Auslagerung der Reinigung. In dieser Situation hat die Geschäftsführung widerrechtlich Fakten geschaffen und die Reinigungskräfte ab 1.4.2016 einfach nicht eingeteilt. Der Betriebsrat hat daraufhin diesem Dienstplan nicht zugestimmt. Am 31.03.2016 legte die Geschäftsführung nach und teilte einer weiteren Betriebsrätin, die im Bereich Reinigung tätig ist, per Email mit, dass sie ebenfalls von der Arbeit freigestellt ist.

Die Reaktion der Geschäftsführung ist skandalös: 22 von 50 Beschäftigten sollten nun ab 1.4.2016 zuhause bleiben und durch eine Fremdfirma zweitweise ersetzt werden. Diese hätte die Geschäftsführung zusätzlich zu den Löhnen bezahlt. Gleichzeitig wurde Saisonkräften, denen der Einsatz ab 1.4.2016 zugesagt war, 2 Tage vor Arbeitsbeginn wieder abgesagt. Das ist – neben einem absolut nicht tragbaren Umgang mit Beschäftigten – eine klare Erpressung des Betriebsrates: In einem rechtlich korrekten Verfahren der Mitbestimmung entzieht sich die Geschäftsführung der Interessenaushandlung, schafft am Betriebsrat und auf dem Rücken der Reinigungskräfte Fakten und droht dann, wenn der Betriebsrat berechtigterweise den Einsatz der Reinigungskräfte fordert, einem großen Teil der Beschäftigten implizit mit Ersatz durch Fremdkräfte. Brisant wird das Ganze dadurch, dass im Dezember 2015 ein Bericht des Kanzlers der Freien Universität (FU) an das Präsidium der FU durchgesickert ist, der deutlich beinhaltet, dass die FU die Betriebsgesellschaft anweist, die Auslagerung des Besucherservice und Technikservice zu prüfen. Alle Beschäftigten, die gestern freigestellt wurden mit Wirkung zum 1.4.2016, gehören diesen Bereichen an. Bis heute gibt es keine schriftliche Erklärung des Kuratoriums oder des Präsidiums der Freien Universität Berlin, die eine Auslagerung ausschließt.

Wir wenden uns entschieden gegen diese Strategie der Geschäftsführung und der Freien Universität Berlin, die nur dazu dient, die Mitbestimmung zu umgehen, Stimmung gegen den sich für die Reinigungskräfte einsetzenden Betriebsrat zu machen und in laufenden Tarifverhandlungen die Beschäftigten einzuschüchtern. Diese Teile und Herrsche Strategie ist heute leider aufgegangen: Zwar hätten die Beschäftigten unter Fortzahlung der Bezüge zuhause bleiben können, bis der Betriebsrat und die Geschäftsführung den Konflikt geklärt hätten – und der Arbeitsplatz war nicht gefährdet. Die Angst um den Arbeitsplatz angesichts der Erprobung einer Fremdfirma in den immer noch gefährdeten Bereichen war bei einigen Beschäftigten so stark, dass der Betriebsrat heute dem Dienstplan ohne Reinigungskräften zugestimmt hat. Damit arbeiten die Beschäftigten am 1.4.2016 und den darauf folgenden Tagen ganz normal. Wichtig: Der Streit um das Outsourcing der Reinigungskräfte ist nicht vom Tisch, hier gehen die Interessenaushandlungen ganz normal weiter.

Dieses Verhalten der Geschäftsführung ist nicht hinzunehmen. Jetzt ist Zusammenstehen und Solidarität gefragt. Macht die Geschäftsführung die Erfahrung, dass Sie regelmäßig Rechte der Beschäftigten umgehen können und Betriebsräte in dieser Art und Weise erpresst, werden Konflikte auch in Zukunft so gelöst werden. Für uns als ver.di heißt das klar und deutlich:

  1. Wir fordern die Freie Universität als Mutterunternehmen auf, die Einhaltung der Mitbestimmung in der Betriebsgesellschaft durchzusetzen und für die Zukunft zu gewährleisten! Geschäftsführer, die derartig die Mitbestimmung aushebeln und mit existenziellen Sorgen der Beschäftigten leichtfertig spielen sind nicht tragbar!
  2. Wir fordern das Kuratorium und das Präsidium der Freien Universität Berlin auf, den Beschäftigten eine klare Beschäftigungsgarantie in allen Bereichen zu geben und eine Entscheidung gegen weitere Auslagerungen und die Rückholung der Reinigung zu treffen!
  3. Wir betrachten diese Vorgehensweise als Angriff auf ver.di als tarifvertragsverhandelnde Partei, weil dieses Vorgehen dazu geeignet ist, Angst bei den Beschäftigten zu schüren und ruhiges und selbstbewusstes Verhandeln zu verunmöglichen!
  4. Wir fordern das Land Berlin auf, ihrer politischen Forderung, keine weiteren Auslagerungen zu dulden, endlich Taten folgen zu lassen! Das heißt zum einen, dass das Land Berlin derartiges Geschäftsgebahren von Betriebsgesellschaft und damit auch der Freien Universität nicht dulden darf! Das heißt zum anderen, dass endlich der Botanische Garten ausfinanziert werden muss und eine klare Beschäftigungssicherung für die Beschäftigten auch durch das Land Berlin und die Freie Universität erfolgt, damit derartige Manöver nicht fruchten!

Lassen wir uns nicht spalten!

 

2 Kommentare zu "Erpressung des Betriebsrates und massive Einschüchterung der Beschäftigten – Geschäftsführung greift zu skandalösen Mitteln"

  1. Heidrun Westkemper | 1. April 2016 um 12:36 | Antworten

    „Frechheit siegt.“ Dank eurer Gegenwehr klappt das diesmal hoffentlich nicht. Bleibt stark.

  2. Heinrich Hatz | 1. April 2016 um 23:53 | Antworten

    „Wer sich nicht wehrt lebt verkehrt…!“ „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren…..!“ Viel Erfolg!!

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*